Gesundheit des Deutschen Pinschers

Der Deutsche Pinscher ist eine sehr gesunde und robuste Rasse, die nicht verzüchtet wurde.

Mittlerweile werden verstärkt Gentests (vWD, Dilute) sowie Untersuchungen (HD, Augen) eingesetzt, um die Gesundheit dieser Rasse auch in Zukunft zu erhalten. Es handelt sich dabei um reine Gesundheitsvorsorge und nicht um typische Rasseerkrankungen des Deutschen Pinschers.

Den Tierarzt werden Sie als Deutscher-Pinscher-Besitzer im Regelfall nur zum Impfen besuchen, da keine gehäuft auftretenden rassetypischen Krankheiten bekannt sind. Achten Sie jedoch darauf, einen Hund ausschließlich von einem beim PSK (Pinscher-Schnauzer-Klub 1895 e.V.) anerkannten Züchter zu erwerben.

Vorsorgliche Untersuchungen in der Zucht

Erkrankter Hund

Untersuchung auf Hüftdysplasie (HD)

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine entwicklungsbedingte Fehlbildung des Hüftgelenks. Dabei passen der Oberschenkelkopf (Femurkopf) und die Gelenkpfanne (Acetabulum) nicht optimal zueinander.

Durch diese Fehlpassung entsteht eine Instabilität des Gelenks, die langfristig zu Schmerzen, Lahmheit und arthrotischen Veränderungen führen kann.

HD ist eine multifaktoriell bedingte Erkrankung. Die genetische Veranlagung spielt eine zentrale Rolle. Zusätzlich können Umweltfaktoren – insbesondere Übergewicht, falsche Fütterung, Überlastung im Junghundealter sowie ungünstige Haltungsbedingungen – das Auftreten und die Schwere beeinflussen.

Da mehrere Gene beteiligt sind, existiert kein einfacher Gentest zur sicheren Vorhersage. Deshalb ist die standardisierte röntgenologische Untersuchung weiterhin das zentrale Instrument der Zuchtselektion.

Ablauf der Untersuchung

Die Röntgenaufnahme erfolgt in der Regel unter Kurznarkose oder Sedation, um eine korrekte Lagerung zu gewährleisten.

Die Aufnahmen werden an vom Pinscher-Schnauzer-Klub 1895 e.V. (PSK) anerkannte Gutachter eingesendet.

Die Bewertung erfolgt nach einem international anerkannten Schema (vergleichbar mit der FCI-Einteilung).

Vorgehensweise HD-Untersuchung beim PSK

Bewertungssystem

Die Befunde werden in fünf Hauptkategorien eingeteilt:

  • HD-A frei von HD
    • A1 völlig frei, optimale Gelenkverhältnisse
    • A2 frei, geringfügige anatomische Abweichungen ohne Krankheitswert
  • HD-B Übergangsform
    • B1 nahezu frei, minimale Veränderungen
    • B2 Übergangsform mit leichten Abweichungen
  • HD-C leichte HD
  • HD-D mittlere HD
  • HD-E schwere HD
Für die Zucht des Deutschen Pinschers sind ausschließlich Hunde mit den Bewertungen A1, A2, B1 oder B2 zugelassen.

HD-Untersuchungen ab 1978 beim Deutschen Pinscher

Weitere Informationen zur Hüftdysplasie

Untersuchung auf Augenkrankheiten

Die Untersuchung konzentriert sich auf wahrscheinlich erbliche Augenkrankheiten. Da diese Untersuchungen bis zum 30.06.2011 nicht verpflichtend waren, sind viele ältere Befunde nur unzureichend dokumentiert. Seit dem 01.07.2011 besteht eine verpflichtende Untersuchung.

Die Untersuchung muss vor dem Deckakt erfolgen und darf nicht älter als ein Jahr sein. Ziel ist es, vermutlich erbliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und betroffene Tiere konsequent aus der Zucht zu nehmen.

Vermutlich erbliche Augenerkrankungen

Die Untersuchung darf nur durch speziell ausgebildete Tierärzte erfolgen. In Deutschland ist hierfür der Dortmunder Kreis (DOK) zugelassen, der nach den Standards des European College of Veterinary Ophthalmologists (ECVO) arbeitet.

Die Augenuntersuchung ist für den Hund schmerzfrei und muss alle 12 Monate wiederholt werden. Hunde mit dem Befund „vorläufig nicht frei“ werden nicht zur Zucht eingesetzt.

Progressive Retinaatrophie (PRA)

Die PRA zählt zu den wichtigsten erblichen Augenkrankheiten des Hundes. Sie wird autosomal-rezessiv vererbt und führt durch fortschreitende Schädigung der Netzhaut immer zur Erblindung.

Zunächst sind die Stäbchen (Nachtsehen) betroffen, später die Zapfen (Tagsehen). Erste Anzeichen zeigen sich häufig in Unsicherheit bei Dämmerung.

Da die Erkrankung schleichend verläuft, kommen viele Hunde in vertrauter Umgebung gut zurecht.

Gentest auf von-Willebrand-Erkrankung (vWD)

Die von-Willebrand-Erkrankung ist die häufigste vererbte Blutgerinnungsstörung beim Hund. Sie entsteht durch einen defekten oder fehlenden von-Willebrand-Faktor.

Mögliche Symptome

Beim Deutschen Pinscher tritt überwiegend Typ I (mildeste Form) auf. Ein DNA-Test ermöglicht eine sichere Genotyp-Bestimmung.

Merkmalsträger sind von der Zucht auszuschließen. Anlageträger dürfen nur mit genetisch freien Hunden verpaart werden. Anlageträger sind keine kranken Hunde.

Gentest Dilute (Farbverdünnung)

Das Dilute-Gen kann eine Aufhellung der Fellfarbe verursachen. Betroffene Hunde erscheinen grau, blau oder isabellfarben.

Der Genotyp dd erhöht das Risiko für Hautprobleme wie Ekzeme, Haarlosigkeit oder Entzündungen.

Der PSK erlaubt nur die Zucht mit roten und rot-schwarzen Pinschern.

Hunde mit Genotyp dd sind von der Zucht auszuschließen. Anlageträger (Dd) dürfen nur mit genetisch freien Hunden (DD) verpaart werden.

DLA-Haplotypenbestimmung (Autoimmunerkrankungen)

Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift.

Die relevanten Gene befinden sich im MHC-Komplex (Chromosom 12). Besonders wichtig sind die DLA-Gene DRB1, DQA1 und DQB1.

Je größer die genetische Vielfalt der Haplotypen, desto stabiler ist die Immunabwehr der Rasse.

Ziel der Zucht ist eine möglichst große Haplotypenvielfalt, um die genetische Stabilität des Deutschen Pinschers zu erhalten.

Schlundverengung (PRAA)

Die Schlundverengung (Persistierender rechter Aortenbogen, PRAA) ist eine angeborene Gefäßanomalie.

Betroffene Welpen zeigen Erbrechen bei fester Nahrung, da die Speiseröhre eingeengt ist.

Die Behandlung erfolgt chirurgisch.

Kupierverbot

Nach deutschem Tierschutzgesetz dürfen Ohren und Rute nicht kupiert werden.

Giftige Pflanzen

In Deutschland gibt es zahlreiche giftige Pflanzen, die für Hunde gefährlich sein können.

Verhalten bei Vergiftungsverdacht

Beispiel: Riesenbärenklau (Herkulesstaude)

Die Pflanze enthält phototoxische Substanzen (Furanocumarine), die bei Sonneneinstrahlung schwere Hautreaktionen auslösen können.

Begriffserläuterungen

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